Biographie

1869 – 1890: Kinder- und Jugendjahre.

5. Mai 1869: Hans Erich Pfitzner wird in Moskau als zweites Kind des Orchestergeigers Carl Robert Pfitzner und seiner Frau Anne Wilhelmine Henriette geb. Reimer geboren.
Die Konstellation als zweiter Sohn neben seinem Bruder Heinrich Carl, geb. 18. 12. 1867, ist der Keim eines lebenslangen Gefühls des Zurückgesetztseins, des ewigen „Zweiten“.
Hans Pfitzner wird in eine Generation von Zeitgenossen hineingeboren, die sich mit den politischen, sozialen und künstlerischen Umbrüchen des beginnenden 20. Jahrhunderts, die Musiker mit dem Ende der deutschen (klassisch-romantischen) Hegemonie in der Musik auseinanderzusetzen haben. Bei Pfitzners Geburt sind Gustav Mahler und Hugo Wolf neun, Claude Debussy sieben, Richard Strauss fünf, Jean Sibelius vier und Ferruccio Busoni drei Jahre alt. Nach Pfitzner werden Alexandr Nikolajewitsch Skrjabin 1872, Max Reger 1873, Arnold Schönberg 1874, Maurice Ravel 1875 und Franz Schreker 1878 geboren. 1865 wird Richard Wagners „Tristan und Isolde“ uraufgeführt; der sogenannte „Tristan“-Akkord erweitert die traditionelle Harmonik erheblich.

1872: Die Familie Pfitzner zieht nach Frankfurt am Main um, an dessen Stadttheater der Vater Pfitzner Musikdirektor (Konzertmeister) wird. Hans wird in den folgenden Jahren das gesamte Opernrepertoire im Orchester sitzend kennen lernen. Seine besondere Liebe gilt der romantischen Oper von C.M. von Weber, H. Marschner und A. Lortzing.

1877: Hans lernt (endlich) Klavierspielen bei seinem Vater; erste uns bekannte Komposition.

1878: Eintritt in die Sexta der Max Klinger-Schule in Frankfurt. Beginn der Freundschaft zu Paul Nikolaus Cossmann, der, im gleichen Jahr wie Pfitzner als Sohn des damals sehr bekannten (jüdischen) Solocellisten Bernhard Cossmann geboren, zum entscheidenden geistigen Mentor und Berater Pfitzners wird.

1881 – 85: Die nächste Komponisten-Generation, die der „Klassiker der Moderne“ wird geboren: 1881 Béla Bartók, 1882 Igor Strawinsky, 1883 Anton von Webern, 1885 Alban Berg. Zugleich werden Spätwerke der „Großväter-Generation“: Anton Bruckners Symphonie IV. und VII. (1881 und 1884) und Jacques Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ (1881), Wagners „Parsifal“ (1882) und Brahms‘ Symphonie IV (1885) uraufgeführt.

1883: Tod Richard Wagners. Erste uns bekannte Liedkompositionen Pfitzners.

1886: Tod Franz Liszts. Pfitzner verlässt die Schule als „Einjähriger“.

1886 – 1890 Schüler am Hoch’sche Konservatorium, Frankfurt am Main. Leiter des Konservatoriums ist Bernhard Scholz, ein naher Freund Johannes Brahms‘. Pfitzner lernt Brahms‘ Kompositionen alsbald nach ihrer Entstehung kennen und führt sie mit Mitschülern auf; Richard Wagners Werke muss er sich im Selbststudium aneignen. Mit dem Musikdrama setzt er sich lebenslang auseinander. Lehrer Pfitzners sind vorrangig Iwan Knorr, Komposition, und James Kwast, Klavier.

Fruchtbare, aber vom Konservatorium wenig beachtete Kompositionstätigkeit: viele Lieder, die z.T. nach 1890 als opp. 2 – 7 veröffentlicht wurden, und mehrere z.T. verschollene Klaviertrios, dazu Kammer-, Orchester- und Chormusik sowie ein Violoncello-Konzert a-Moll 1888 und zum Abschluss der Konservatoriumszeit die Violoncello-Sonate op. 1 (1890), beide dem befreundeten Mitschüler Heinrich Kiefer gewidmet.-
Pfitzner beendet die Konservatoriumszeit ohne besondere Empfehlung.

1887: Beginn der Freundschaft mit dem (englischen) Mitschüler James Grun, dem späteren Librettisten der Pfitzner-Bühnenwerke „Der arme Heinrich“ und „Die Rose vom Liebesgarten“; seine Schwestern Frances ist mit Pfitzner, Eleanor mit Cossmann befreundet.

1888: Tod der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. Nachfolger Wilhelm II. Hugo Wolf: Mörike- und Eichendorff-Lieder; Gustav Mahler: Symphonie I.

1889: Richard Strauss, seit 1885 Musikdirektor in Meiningen und seit 1886 3. Kapellmeister an der Hofoper München, wird mit seiner Symphonischen Dichtung „Don Juan“ bekannt.

1890 – 1898: Stockende Anfänge.
Pfitzner in einer psychischen wie physischen Krise; er lebt im wesentlichen bei seinen Eltern, komponiert sein Bühnenwerk „Der arme Heinrich“ und bemüht sich zunächst vergeblich um seine Aufführung. Von

1892 – 93 ist er ungern Lehrer für Theorie und Klavier am Konservatorium Koblenz.

1893: erster, erfolgreicher Auftritt als Dirigent eigener Werke mit den für dieses Konzert von seinen Freunden gemieteten Berliner Philharmonikern in Berlin; das Konzert bleibt trotz sehr guter Kritiken folgenlos.

1894 – 1895: Tätigkeit als unbesoldeter Kapellmeister-Volontär am Stadttheater Mainz, um die Uraufführung des „Armen Heinrich“ dort durchzusetzen. Die Oper wird 1895 uraufgeführt (und in der Folge an den Stadttheatern Darmstadt und Frankfurt am Main nachgespielt). Danach Aufgabe der (inzwischen bezahlten) Position in Mainz und zurück zu den Eltern. Bruno Walter wird auf das Werk aufmerksam und sucht die Bekanntschaft Pfitzners.

1897: Umzug nach Berlin; Lehrstelle für Komposition und Dirigieren am Sternschen Konservatorium. Misserfolg der Aufführung des Klaviertrios op. 8.

1898: Nervenfieber, Rückkehr zu den Eltern. Aufnahme der Beziehungen zum Verleger und späteren Freund Max Brockhaus. Entwicklung der Zuneigung zwischen Pfitzner und Mimi Kwast, der Tochter seines Lehrers.

Tod Bruckners, Clara Schumanns (1896) und Brahms‘ (1897). Paul Hindemith 1895 geboren. Uraufführungen: Verdis „Falstaff“ (1892), Mascagnis „Cavalleria rusticana“ (1890) und Leoncavallos „Bajazzo“ (1892), Puccinis „La Bohème“ (1896), Debussys „L’Après-midi d’un Faune“ (1894), Richard Strauss‘ „Guntram“ (1894). Hugo Wolfs „Michelangelo“-Lieder.

1899 – 1907: Pfitzner in Berlin; Widrigkeiten und erste Erfolge.
Pfitzner zieht mit seiner Frau Mimi wieder nach Berlin und kehrt in seine Lehrämter am Sternschen Konservatorium zurück.

Pfitzner in Berlin
1900: Gemeinsames Konzert mit Richard Strauss, dieser wird sehr gefeiert. Beginn der Feundschaft zu Bruno Walter, der als Dirigent an der Hofoper Berlin eine Aufführung des „Armen Heinrich“ durchsetzt, die allerdings nur zweimal wiederholt wird und kein Erfolg für Pfitzner ist, sowie zu dem Mäzen Willy Levin, der Pfitzner noch lange unterstützt. Bekanntschaft mit den Schriftstellern Ludwig Jacobowski und Arthur Eloesser, Detlev von Liliencron und Richard Dehmel.

1903 – 1906: Pfitzner übernimmt auch die 1. Kapellmeister-Stelle am („Schmieren“-) Theater des Westens. Erste Bekanntschaft mit Gustav und Alma Mahler.

1905: Glanzvolle Aufführung der zweiten Oper „Die Rose vom Liebesgarten“ (entstanden 1897 – 1900, uraufgeführt in Elberfeld) unter Mahler, später Bruno Walter, an der Hofoper Wien. Aufführung von Kleists „Käthchen von Heilbronn“ mit Pfitzners Schauspielmusik op. 15 zur Eröffnung des Deutschen Theaters Berlin unter Max Reinhardt.

1906: Erster Auftritt als Dirigent eines fremden Werks („Tannhäuser“) in München, das zunehmend ein Zentrum für Pfitzner wird. Förderer ist Cossmann, der 1904 dort die „Süddeutsche Monatshefte“ gründet. Uraufführung des Singspiels „Das Christelflein“ unter Felix Mottl in München.

Klavierauszug zu E.T.A. Hoffmanns Oper „Undine“.

Geburt der Söhne Paul (1903) und Peter (1906); Gefährdung der Ehe durch Ilse von Stach, Librettistin des „Christelflein“. Ab 1904 nimmt Mimi Schauspielunterricht, zunächst bei Max Reinhardt, 1907 in Düsseldorf.

1907: Ausbruch Pfitzners in die Dirigentenposition des finanziell angeschlagenen Kaim-Orchesters München (spätere Münchner Philharmoniker); als das Orchester nach einigen Konzerten unter Pfitzner tatsächlich zahlungsunfähig wird, erreicht Pfitzner das Angebot, das Städtische Orchester Straßburg zu leiten.

Tod Giuseppe Verdis (1901) und Hugo Wolfs (1903). Zur gleichen Zeit entstanden von Mahler die Symphonien IV – VIII, von R. Strauss die Opern „Feuersnot“ (1901) und „Salome“ (1905), von Debussy „Pelléas et Mélisande“ (1902), von Schönberg Kammersymphonie I. (1906), von Busoni das Klavierkonzert mit Schlusschor (1906).

1907 – 1918 Pfitzner in Straßburg; Entfaltung aller Kräfte.
Zunächst berufen als Leiter des Städtischen Orchesters wird Pfitzner 1908 Leiter des Konservatoriums und gründet sogleich eine Opernklasse, deren Teilnehmer zugleich an der Oper praktizieren; 1910 übernimmt er auch die musikalische Leitung der Städtischen Oper. Die Dirigenten Wilhelm Furtwängler (geb. 1886) und Otto Klemperer (geb. 1885) beginnen in Straßburg. Nach Auseinandersetzungen mit der Intendanz der Oper und mit Klemperer gibt Pfitzner die Oper wieder ab (1916).

1908: Mimi kehrt zu Pfitzner zurück; Tochter Agnes geboren.- Pfitzner schreibt zunächst den Text, ab 1912 die Komposition seiner Oper „Palestrina“.

1910 wird Pfitzner Ehrendoktor der Universität und erhält 1913 den Titel Professor.

1911: Tod Gustav Mahlers. Allegro barbaro von Béla Bartók, 6 kleine Klavierstücke op. 19 von Schönberg, „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss, Symphonie IV. von Jean Sibelius, Symphonie II. von Edward Elgar.

1912: Pfitzner bearbeitet Marschners Oper „Templer und Jüdin“.

1913: Mit Levins Hilfe Beginn der Beziehungen zum Verleger Otto Fürstner.
Uraufführung „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky.

1914: Beginn des 1. Weltkriegs. Pfitzner wird – wie Cossmann, Thomas Mann u.a. – zum flagranten Patrioten.

1915: Nach Fertigstellung des „Palestrina“ meldet sich Pfitzner freiwillig zur Truppe, wird aber nicht genommen. Pfitzners erste schriftstellerische Arbeit erscheint, die Aufsatzsammlung „Vom musikalischen Drama“.

Tod Max Regers. Uraufführung „Mona Lisa“ von Pfitzners Freund Max von Schillings.

1916: Widmung „Zwei Deutsche Gesänge“ op. 25 nach Eichendorff und Kopisch an den Großadmiral von Tirpitz .

Max Reger: Eine vaterländische Ouverture op. 140 (1914); Cl. Debussy: Berceuse heroique (1914), Noel des enfants qui n’ont plus de maison (1915).

1917: Die Uraufführung des „Palestrina“ in München unter Bruno Walter wird ein herausragender Erfolg. Gastspiel in Zürich.- Pfitzner setzt sich mit einer Replik „Futuristengefahr“ mit Busonis „Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst“ (1906, 1916) mit dem Fortschritt in der Musik auseinander.

Bearbeitung des „Christelflein“ als Spieloper; uraufgeführt an der Hofoper Dresden unter Fritz Reiner.

1918: Gründung des „Hans Pfitzner-Vereins für deutsche Tonkunst“ in München mit einer Rede von Thomas Mann.

Bei Kriegsende Verlust aller Ämter in Straßburg. Pfitzner als patriotischer Deutscher konnte nicht damit rechnen, dass ihn die Franzosen im Amt behielten. Er gerät mit seiner Familie in München in die Wirren der Räterepublik. Schwere Erkrankung und späteres Siechtum des Sohnes Paul.

Tod Claude Debussys. Igor Strawinsky: „Die Geschichte vom Soldaten“, Béla Bartók: Uraufführung „Herzog Blaubarts Burg“ (1911).

1919 – 1932: Unterschondorf/München; Zeit breitester Wirkung.
Pfitzner zieht mit seiner Familie nach Unterschondorf am Ammersee in der Nähe Münchens.

1919: Ernennung zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Chefdirigent der Münchner Philharmoniker (bis 1920). Teilweise polemische Veröffentlichung „Die neue Ästhetik der musikalischen Impotenz“ zur Verteidigung seiner Einfallslehre. Darauf antwortet 1920 Alban Berg mit „Die musikalische Impotenz der ’neuen Ästhetik‘ Hans Pfitzners“.

R. Strauss: „Die Frau ohne Schatten“.

1920: Nachdem reizvollere Positionen sich zerschlugen, nimmt Pfitzner das Angebot eines Leiters einer Meisterklasse für Komposition an der Preußischen Akademie der Künste als Nachfolger R. Strauss‘ an, übt die Tätigkeit aber in Unterschondorf aus. Weitere Klassen leiten Busoni (nach seinem Tod 1924 Schönberg) und F. Schreker.

Pfitzner beginnt mit Mimi eine Schumann-Biographie zu schreiben; die Arbeit wird nach dem Tode Mimis 1925 nicht fortgesetzt.- Zunehmende Reisetätigkeit Pfitzners als Dirigent, Liedbegleiter und Regisseur.

Strawinsky: Pulcinella (Beginn seiner klassizistischen Periode); Puccini: El Trittico.

1922 – 1924: Breit beachtete Uraufführungen der Kantate „Von deutscher Seele“ (1922), des Klavierkonzerts (1923) und des Violinkonzerts (1924). Cossmann vermittelt Hitler ein Gespräch mit Pfitzner (1923). Pfitzner bereitet einen Gruß (C.F. Meyers „Huttens letzte Tage“) an den wegen der Teilnahme am „Marsch zur Feldherrnhalle“ inhaftierten Hitler vor, schickt ihn aber nicht ab (1924). Pfitzners Mutter stirbt (1924). Eintrübung der Freundschaft zu Thomas Mann wegen dessen Rede „Von deutscher Republik“ (1922).

Tod Max Bruchs (1920), Busonis und Puccinis (1924). Schönberg entwirft die Methode der Komposition mit zwölf Tönen (1921). P. Hindemith „Mörder, Hoffnung der Frauen“ (1921), Bartók Tanzsuite (1923), George Gershwin „Rhapsody in Blue“ (1924), Arthur Honegger „Pacific 231“ (1924).

1925: Uraufführung des cis-Moll-Streichquartetts op. 36 durch das Amar-Quartett (mit Hindemith, Viola). Verleihung des Ordens Pour le Merite für Kunst und Wissenschaft.

Tod Friedrich Eberts, Nachfolger als Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Hitler: Mein Kampf.- Alban Berg: „Wozzeck“; J. Sibelius: Tapiola (letztes Orchesterwerk); Hindemith: Konzert für Orchester (Beginn seiner neobarocken Periode).

1926 – 1928: Tod Mimi Pfitzners; tiefer Einschnitt im Leben Pfitzners. Stocken des kompositorischen Schaffens. Herausgabe der Gesammelten Schriften in zwei Bänden. Tod Willy Levins (1926) und James Gruns (1928).
Pfitzner erhält den bayrischen Maximiliansorden (1927).

Krenek: „Jonny spielt auf“; Strawinsky: Oedipus Rex; Schostakowitsch: Symphonie I., Bartók: 3. Streichquartett; Schönberg: 3. Streichquartett (1927); R. Strauss: „Die ägyptische Helena“; Ravel: Boléro (1928).

1929: Feiern zum 60. Geburtstag Pfitzners (und Cossmanns) mit zahlreichen Ehrungen. Pfitzner erhält ein Lehramt an der Bayrischen Akademie der Tonkunst und zieht nach München um. Veröffentlichung des Buches „Werk und Wiedergabe“, die Summe seiner Regieerfahrungen und Eintreten für Werktreue.

1930 – 1931: Uraufführung der Chorfantasie „Das dunkle Reich“ (Köln 1930) und der Oper „Das Herz“ in Berlin und München. Komposition der letzten Lieder, der 3 Sonette op. 41 (1931) als Abschluss des kompositorischen Schaffens.

1932: Bearbeitung des cis-Moll-Streichquartetts als Sinfonie. Enges Freundschaftsver-hältnis Pfitzners zu seiner Schülerin Lilo Martin.

1933 – 1949 Verbittertes Alter.
Machtergreifung durch die NSDAP und Hitler. Pfitzner sympathisiert zunächst mit den Nazis in der Erwartung, dass er durch sie eine seinen Vorstellungen angemessene Position mit Einfluss auf ein prominentes Opernhaus erhält. Er unterschreibt einen Protest der Stadt München gegen die Wagner-Rede Thomas Manns (die Mann, der 1930 eine „Deutsche Ansprache“ gegen die Nazis gehalten hatte, veranlasst, im Ausland zu bleiben). Pfitzner sagt auf Druck der Nazis seine Teilnahme an den Salzburger Festspielen ab, R. Strauss fährt trotz hoher Devisensteuer hin. Cossmann wird ins KZ Dachau eingeliefert; Pfitzner wendet sich an Himmler und Hindenburg um Freilassung. Der Hans Pfitzner-Verein wird in die NS-Kulturgemeinde eingegliedert. Pfitzner erhält 1933 die Goethe-Medaille und 1934 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Emigration Bruno Walters, Schönbergs und Otto Klemperers. R. Strauss wird Präsident der Reichsmusikkammer (bis 1935).

1934: Pfitzner wird in seiner Position an der Bayrischen Akademie mit seinem 65. Lebensjahr zur Ruhe gesetzt, wohl auch, weil er seine Berufung als eine Ehrung missverstanden hatte und seinen Lehrpflichten nicht voll nachgekommen war. Er verlangt zum Ausgleich eine Art Ehrensold und protestiert (über Furtwängler) bis hinauf zu Hermann Göring. Auch mit Justizminister Hans Frank überwirft er sich, weil ein Orchesterlied, das auf einem Reichs-Juristentreffen gespielt werden sollte, wieder abgesetzt worden war.

Hindemiths „Mathis der Maler“- Sinfonie wird von Furtwängler trotz Nazigefährdung aufgeführt. A. Berg: Violinkonzert; Bartók: 5. Streichquartett; Schostakowitsch: „Lady Macbeth von Mzensk“.

1935 – 1938: Beginn des Alterswerks mit dem Cellokonzert op. 42. Pfitzner wird Reichskultursenator und erhält die Ehrenmitgliedschaft der Accademia di Santa Cecilia, Rom (1936). Unerfreuliche Auseinandersetzung mit Julius Bahle wegen der Einfallslehre (1937). Gründung einer zweiten Hans Pfitzner-Gesellschaft (1938). Erste erfolglose Augenoperation (1938); Tod des Sohnes Paul (1936), Zerwürfnis mit den Kindern Peter (+ 1944) und Agnes (+ 1939). Letzter Briefwechsel mit Cossmann wegen der Kinder (1938); (Cossmann stirbt 1942 in Theresienstadt).

1939: Pfitzner heiratet Mali Stoll, geb. Soherr. Auf Wunsch von höchster Stelle reduzierte Feiern zu Pfitzners 70. Geburtstag 1939. Ehrungen durch Verleihung der Goethe-Plakette (Frankfurt/Main) und der Beethoven-Medaille (Bonn). Zweite ebenfalls erfolglose Augenoperation.

Alban Berg stirbt (1935). R. Strauss: „Die schweigsame Frau“; Gershwin: „Porgy and Bess“ (1935), Schostakowitsch: Symphonie IV. (1936); Carl Orff: Carmina burana (1937), Bartók: Violinkonzert (1938).

1939 – 1945: 2. Weltkrieg. Pfitzners wird auch von diesem Krieg erheblich betroffen. 1942 kommen Pfitzners bei einem Bombenangriff auf den Zug, in dem sie reisen, knapp mit dem Leben davon; 1943 wird Pfitzners Wohnhaus zerstört; Umzug nach Wien-Rodaun, wo Pfitzners 1945 vor den Russen fliehen und erst (wegen Armbruchs) in einem Krankenhaus in Partenkirchen, dann in einem Altersheim in München-Ramersdorf unterkommen.- Zum 75. Geburtstag 1944 erhält Pfitzner eine Ehrengabe des Reichspropaganda-ministeriums von RM 50.000.-, den Robert Schumann-Preis (Zwickau) und den Ehrenring der Stadt Wien.- Anerkennung findet Pfitzners Musik zunehmend an der Peripherie des Reiches: Gauleiter Greiser (Posen) stiftet einen hoch dotierten Pfitzner-Preis, und Generalgouverneur Frank (Krakau) lädt Pfitzner (neben R. Strauss u.a.) zum Dirigieren seines (polnischen) Orchesters ein (1944).- Sinfonie C-Dur op. 46 (1940), 3 Gesänge (defaitistische Soldatenlieder) op. 53, „Krakauer Begrüßung“ op. 54 (1944).

Bartók, Strawinsky und Schönberg emigrieren in die USA, ebenso Alma Mahler mit Franz Werfel, und Thomas Mann (1940). Bartók: Konzert für Orchester (1943), 3. Klavierkonzert (1945); stirbt 1945. Strawinsky: Sinfonie en ut (1940). Anton von Webern wird 1945 versehentlich in Mittersill (Salzachtal) erschossen. C. Orff: Der Mond (1939), Die Kluge (1942). R. Strauss: Metamorphosen (1945); Wolfgang Fortner: Sinfonie (1945). Schostakowitsch: Symphonie VII. (1942). Benjamin Britten: „Peter Grimes“ (1945).

1945/46: Pfitzner setzt sich mit seiner Haltung zum Dritten Reich und der Judenfrage auseinander (unveröffentlichte „Glosse zum 2. Weltkrieg“).
Auftrittsverbot durch die amerikanische Besatzung. Komposition des Sextetts op. 55.
Letzter Briefwechsel mit Bruno Walter, „Anrempelung“ durch Th. Mann (1946). Todesurteil für Frank im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess; Abschiedstelegramm Pfitzners.

1947 – 1949: „Entnazifizierung“; Einstufung als „nicht betroffen“ (1948). 1. Schlaganfall. 1949 2. Schlaganfall nach Feier (Aufführung des „Palestrina“) zum 80. Geburtstag in Wien. 22. 5. 1949 Tod in Salzburg auf dem Weg zu Geburtstagsveranstaltungen in Frankfurt am Main. Auf Veranlassung der Wiener Philharmoniker Ehrengrab auf dem Centralfriedhof in Wien (Pfitzner hätte lieber in Unterschondorf bei Mimi und seinen Kindern gelegen). Der Nachlass liegt in der Österreichischen Staatsbibliothek in Wien. Letzte Kompositionen: Fantasie für Orchester op. 56 (1946/47), Kantate „Urworte orphisch“ op. 57 (1948/49, ergänzt von Robert Rehan).

1950: Gründung der 3. Hans Pfitzner-Gesellschaft.
Tod der Weggefährten: Richard Strauss 1949, Wilhelm Furtwängler 1954, Thomas Mann 1955, Bruno Walter 1962, Mali Pfitzner 1963, Alma Mahler-Werfel 1964, Otto Klemperer 1973.