Kunst-Station Sankt Peter Köln

 


 

 




 

Composer in Residence 2011:

Joanna Wozny

 

Joanna Wozny wurde 1973 im polnischen Zabrze geboren. Von 1992 bis 1999 absolvierte sie in Katowice (Polen) ein Magisterstudium der Philosophie. Parallel dazu begann sie 1996 ein Kompositions- und Musiktheoriestudium an der Kunstuniversität Graz (Österreich) bei Gerd Kühr und Beat Furrer, das sie 2003 mit Auszeichnung abschloss. 2002/2003 nahm Joanna Wozny zusätzlich Kompositionsunterricht bei Younghi Pagh-Paan.
Als Komponistin erhielt Joanna Wozny zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter das Stipendium der Stefan-Batory-Stiftung (Warschau) 1997, den Musikförderungspreis der Stadt Graz 2001, das Österreichische Staatsstipendium für Komponisten 2005 und 2008 sowie den Erste Bank Kompositionsauftrag 2010 und den SKE publicity award 2010. 2003/2004 wurde sie
als composer in residence zur Künstlerbegegnung im Stift St. Lambrecht eingeladen, 2010/11 ist sie "Young composer in residence" des Ensemble "PHACE".
Joanna Woznys Schaffen umfasst elektronische Kompositionen sowie das gesamte Spektrum der Instrumentalmusik – von Solo- und Kammermusikwerken bis zu Ensemble- und Orchesterkompositionen – sowie Werke für Chor und Gesang. Sie schrieb Auftragswerke für das Kulturzentrum bei den Minoriten Graz, den ORF, das Münchner Rundfunkorchester, die Klangspuren Schwaz, das Wiener Mozartjahr 2006, den Warschauer Herbst, und das Musikprotokoll Graz. Ihre Werke wurden u. a. durch das Radiosinfonieorchester Wien, das Münchner Rundfunkorchester, das Klangforum Wien, das Ensemble Wiener Collage, das Ensemble PercussioNova, das Ensemble Courage und die Cappella Nova Graz uraufgeführt.

„Das Komponieren ist für mich sehr konkret, wenn man das so sagen kann. Wenn ich etwas schreibe, dann denke ich: dieses Instrument – dieser Klang. Was kann man damit machen, was birgt er in sich, was für Facetten, in welcher Höhe, Dynamik, Geschwindigkeit bleibt er noch dieser Klang und wann wird daraus durch diese Parameter etwas ganz anderes?“
Der Klang als Fokus und als Ausgangspunkt genau ausgehörter musikalischer Gebilde und Strukturen und einer hoch konzentrierten, fein ziselierten Musik steht im Zentrum von Woznys kompositorischen Schaffen. So formuliert Wozny es auch in einem Interview mit Daniel Ender in der Österreichischen Musikzeitschrift vom November 2007: „Die Arbeit an den Stücken fängt im Kopf an – es sind Inspirationen, die am Anfang der Kompositionen stehen, die sich meist auf klangliche Aspekte der Instrumente, für die ich schreibe, beziehen. Dabei sind meist mehrere Instrumente beteiligt. Mit anderen Worten: Ich denke mir einen bestimmten Klang aus, der meistens – aber nicht immer – zugleich der Anfangsklang der Komposition ist.
Diese Klänge sind in ständiger Bewegung, flüchtig, was sich aus dem Zusammenspiel der Parameter Lautstärke, Geschwindigkeit und Spieltechnik ergibt. Nachdem es eben diesen Anfang gibt, stelle ich ihn mir immer wieder vor; er bedingt dann auch die Form im weiteren Verlauf des kompositorischen Prozesses.“
Aus diesen Äußerungen Woznys auf einen bestimmten musikalischen Stil oder Ausdruck zu schließen, würde aber in die Irre führen. Ihr kompositorisches Schaffen zeichnet sich durch eine große Vielseitigkeit – sowohl in den Besetzungen als auch im musikalischen Ausdruck – aus. Zwar liegt der Schwerpunkt Woznys auf der Instrumentalmusik, vom Solo-Werk über Kammer- und Ensemblemusik bis zur Orchesterkomposition, daneben hat sie aber auch bereits mehrere Arbeiten für elektronische Musik sowie einige Vokalkompositionen vorgelegt.
Klanglich stehen Werke wie das zarte, von langen Pausen durchsetzte und oft an der Grenze der Hörbarkeit agierende Streichtrio „Surfacing“ sehr kraftvollen Kompositionen gegenüber, wie das 2006 komponierte „Return“ für Saxophon und Ensemble, bei dem der geräuschhafte Klang des Saxophons und teilweise eruptive Einwürfe des Ensembles die Komposition über weite Strecken prägen. In Woznys „Musik für zwei Gitarren“ ist die melodische Figur der Ausgangspunkt eines musikalischen Dekonstruktionsprozesses, in „Loses“ sind es die unterschiedlichen klangfarblichen Facetten eines großen Orchesters, die den Ausgangspunkt der musikalischen Arbeit bilden.
Aber letztlich sind all diese Klänge und Strukturen nur Facetten einer „feinstverästelten Gebilde von rätselhaft leuchtender Schönheit“, wie Woznys Kompositionen in einem Text Christian Kleins zu einem Portraitkonzert im Juni 2008 in Graz genannt wurden, „deren (gerade noch so) gebändigte Energie quasi subkutan immer virulent ist.“